Das Odysseus-Prinzip

von Jochen Plikat

Wissensarbeit scheint dann besonders gut zu funktionieren, wenn man sich zuverlässig in den so genannten Flow-Zustand bringen kann: Phasen der Versenkung in eine Tätigkeit, in denen jede Ablenkung ausgeblendet wird und die Stunden in kreativem Schaffen unbemerkt verrinnen. Schriftsteller, so könnte man meinen, sollten diesen Zustand besonders leicht erreichen. Der Drang, das literarische Werk zu Papier zu bringen, ist doch sicher so groß, dass sie sich morgens mit Elan an ihr Werk setzen, den ganzen Tag über der Inspiration freien Lauf lassen und erst wieder von ihrem Manuskript aufschauen, wenn der Mond hoch am Himmel steht.

Eine schöne Geschichte, die aber mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Gerade unter Schriftstellern Weiterlesen

Keine Mail vor halb eins

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von Jochen Plikat

Nehmen wir an, jemand schaut Dir einen Tag lang bei der Arbeit über die Schulter. Von dem Moment an, in dem Du Dich an Deinen Schreibtisch setzt (oder stellst) bis zu dem Moment, in dem Du innerlich den Feierabend ausrufst.

Was wäre die erste Tätigkeit, die er oder sie zu sehen bekäme?

  • a) Du öffnest Dein Mailprogramm.
  • b) Du widmest Dich sofort Deinem wichtigsten laufenden Projekt und arbeitest 3 Stunden lang daran.

Ganz ehrlich: Ich war lange ein lupenreiner Vertreter von Kategorie a). Mit der erfreulichen Folge, dass viele kleine Aufgaben gleich morgens von mir erledigt wurden. Mit der ebenfalls erfreulichen Folge, dass alle, die mir eine Mail schickten, zügig eine Antwort bekamen. Aber auch mit der unerfreulichen Folge, dass die potentiell ergiebigsten ersten ein bis zwei Stunden meiner Arbeitstage Weiterlesen

7 Gründe für die Arbeit mit einem Zitationsmanager

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von Jochen Plikat

Wer wissenschaftlich arbeitet, muss in der Regel dutzende, bei längeren Projekten manchmal hunderte Titel Forschungsliteratur überblicken. Jeder dieser Titel will gesichtet, gelesen, exzerpiert und, falls er wörtlich oder auch nur sinngemäß in die eigenen Ausführungen einfließt, als Literaturangabe sauber zitiert werden. Seit die Spitzenpolitiker zu Guttenberg, Koch-Mehrin und Schavan zu ex-Doktoren (und teilweise auch zu Ex-Spitzenpolitikern) geworden sind, dürfte niemand mehr daran zweifeln, dass nicht nur Universitäten das Thema sehr ernst nehmen, sondern dass auch die Öffentlichkeit inzwischen feine Antennen hat, wenn es um Plagiate Nachlässigkeiten beim Zitieren geht.

Auch wenn man nicht ganz so tief fallen kann wie von einem Ministersessel aus, sollte es doch aus Gründen der so genannten guten wissenschaftlichen Praxis, aber schlicht auch im Sinne des fair play eine Selbstverständlichkeit sein, Quellen sorgfältig anzugeben. Wer dabei dennoch einen lesbaren Text schreiben möchte, sollte im Text selbst mit Kurzverweisen arbeiten (z.B. nach der Harvard-Methode) und die vollständigen Literaturangaben erst am Ende als alphabetisches Literaturverzeichnis einfügen. Unabhängig von der gewählten Zitierweise gilt aber, dass Weiterlesen

Datenschutz – Privatsache oder öffentliche Aufgabe?

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Wer seine Daten unverschlüsselt durchs Internet schickt, braucht sich nicht zu wundern, wenn Big Brother mitliest. So könnte man eine Haltung zum Thema Privatsphäre zusammenfassen. Wenn Staaten und Konzerne Datenschutz systematisch aushöhlen, müsse eben jeder angemessen reagieren. Einige Ideen, wie das gehen könnte, finden sich auch in diesem Blog.

Es ist ja auch was dran — wir alle können unsere Daten schon heute besser schützen, indem wir Weiterlesen

7 Tipps für mehr Einfälle und weniger Vorfälle

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Für Denker von Sokrates bis Nietzsche war klar: nur im Gehen kommen gute Gedanken zustande. Letzterer, ein passionierter Wanderer, empfiehlt in Ecce Homo: „Trau keinem Gedanken, der im Sitzen kommt!“

Genau dies tun jedoch Denker Wissensarbeiter wie wir tagaus, tagein. Verbringen den größten Teil unserer Arbeitszeit an einem Rechner, und das heißt eben auch: im Sitzen. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich der Höhe- und Endpunkt der Entwicklung des Menschen sein kann: Weiterlesen

Ohne Hosen in der Wolke?

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Einer der ganz großen digitalen Trends der letzten Jahre ist das so genannte „Cloud Computing“. Es beruht auf der Idee, dass Dateien nicht mehr nur auf der lokalen Festplatte, sondern gleichzeitig auch auf einem Server gespeichert werden. Bekannte Dienste sind u.a. Dropbox, google drive, OneDrive (Microsoft) und iCloud (Apple).

Das Speichern in der Cloud hat viele Vorteile, unter anderem:

  • Dateien und Verzeichnisse können auf mehreren Geräten synchron gehalten werden
  • falls einmal ein Gerät kaputt geht oder gestohlen wird, lassen sich die Daten aus der Cloud wieder herstellen
  • Dateien und Verzeichnisse können geteilt werden
  • die Synchronisierung läuft meist automatisch im Hintergrund, sobald man mit dem Internet verbunden ist

Wie steht es aber um die Sicherheit der Daten und damit um die Privatsphäre der Nutzer?

Hier sind erheblich Bedenken mehr als angebracht. Zwar werden die Daten in der Regel verschlüsselt übertragen. Auf den Servern selbst liegen sie aber Weiterlesen

Von der E-Mail zur Aufgabe und wieder zurück

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Ich habe kürzlich beschrieben, wie sich ein paar einfache Prinzipien der GTD-Methode für eine effiziente Bearbeitung von E-Mails umsetzen lassen. Dabei ging es vor allem darum, E-Mails, die nicht sofort gelöscht, archiviert oder beantwortet werden („2-Minuten-Regel“), zu einer Aufgabe auf einer To-do-Liste zu machen. So kannst Du es schaffen, die Inbox bei jeder Bearbeitungsphase komplett zu leeren („Inbox zero“). Und E-Mails, die eigentlich komplexe Aufgaben sind („Hi, könntest Du mir einen Riesengefallen tun und den Entwurf für meinen neuen Artikel gegenlesen? Ich habe ihn einfach mal angehängt. Sind nur 6 Seiten 🙂 Ist noch nicht suuuper dringend, aber bis Mittwoch wäre toll. Schreib Korrekturen und Kommentare einfach ins Dokument rein. Danke!!!!“), verstopfen nicht mehr tage- oder wochenlang Deinen Posteingang.

Hierfür sind Weiterlesen

9 aus 43: Effiziente Aufgabenverwaltung mit Evernote

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Ich möchte heute das Ordnersystem für Evernote beschreiben, das ich mir in Anlehnung an David Allens „Getting Thins Done“-Methode und an die Weiterentwicklung von GTD für digitale Umgebungen – „The Secret Weapon“ (TSW) – zurechtgelegt habe. Was zunächst nach einer recht banalen Lösung für digitale Notizen aussieht, hat sich für mich als einfache und sehr leistungsfähige Aufgabenverwaltung herausgestellt.

Evernote funktioniert nach einem simplen Prinzip: Weiterlesen

E-Mails effizient bearbeiten mit GTD und Evernote

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Ich habe kürzlich die Grundidee von David Allens Methode Getting Things Done (GTD) umrissen, die zunächst einmal für das vorwiegend papiergestützte Büro entwickelt wurde. In zunehmend digitalen Arbeitsumgebungen sieht man sich allerdings mit dem Problem konfrontiert, ob sich GTD auch auf die digitale Welt übertragen lässt. Genau damit haben sich die Mitarbeiter des amerikanischen Softdrink-Herstellers TrueToniqs beschäftigt. Als — nach eigenen Angaben — treue Anhänger von GTD haben sie über die Jahre hinweg verschiedene Ansätze erprobt, David Allens Methode softwarebasiert umzusetzen. Dabei sind sie auf Evernote gestoßen, ein Programm, das sie inzwischen als den „heiligen Gral“ ihrer Suche bezeichnen. Aus der Kombination von GTD mit Evernote haben sie daher eine Methode entwickelt und dokumentiert, die sie — zugegeben: etwas vollmundig — The Secret Weapon nennen (TSW — eine detaillierte Beschreibung in englischer Sprache findet sich hier).

Die simple Formel lautet: Evernote + GTD = The Secret Weapon

Die Autoren gehen bei ihren Überlegungen von der Feststellung aus, dass Weiterlesen

You have one new message

Sjoerd Lammers street photography

Ich finde es faszinierend zu überlegen, wie viele verschiedene Gegenstände wir früher hätten herumtragen müssen, um nur die Grundfunktionen eines einfachen Smartphones zur Verfügung zu haben. Wir haben heute in der Hosen- oder Handtasche ein Gerät bei uns, das nicht nur ein Telefon ist, sondern sich auch jederzeit in einen Wecker, eine Schreibmaschine, einen Taschenrechner, ein Diktiergerät, eine Fotokamera, eine Videokamera (ja, Kinder, das waren einmal zwei verschiedene Dinge), ein Radio, eine Nachrichtenzentrale, eine kleine Bibliothek, einen Zeitungskiosk und einen Schachcomputer verwandeln kann – und vieles, vieles mehr.

Die Tendenz ist eindeutig: immer mehr Funktionen werden in ein Gerät gepackt. Fürs Protokoll: Ich finde das großartig. Wenn ich aus dem Haus gehe, muss ich heute genau drei Dinge einstecken, um für das Leben da draußen ziemlich gut gerüstet zu sein: Geld, Schlüssel und Smartphone. Mit dem Geld und den Schlüsseln mache ich noch das Gleiche wie vor 25 Jahren. Mit dem Smartphone mache ich den ganzen Rest.

Wenn ein Gerät immer mehr Funktionen übernimmt, heißt das zwangsläufig, dass

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